

von Alois Taubeneder
„Der feit doch nix!“ sagte meine Mutter, als wir ihr eröffneten, dass wir unsere Tochter auf einer Montessori-Schule einschulen werden. Sechs Jahre lang gehörte die Monti in Unterneukirchen dann zu unserem Leben, ehe unsere Tochter und zwei Jahre versetzt ihr Bruder nach der Grundschule aufs Gymnasium wechselten.
Ich konnte meine Mutter schon verstehen, denn ein Jahr vorher hätte ich auch gesagt: „Montessori – was sollen wir denn damit. Das ist doch nur was für Leute, die immer meinen sich abheben zu müssen.“ Doch wie es der Zufall wollte, hatten sich einige Bekannte im Kindergarten mit demThema beschäftigt und so – man will sich ja aufgeschlossen zeigen – haben wir uns das Ganze mal angesehen.
Und siehe da, da waren lauter Leute wie wir: ganz normal und sehr um das Wohlergehen ihrer Kinder bemüht. Dass dann gleich eine ganze Gruppe Mädels aus unserem Kindergarten auf diese Schule wollte und die Busfahrt aus Altötting nicht lang sein würde, hat uns die Entscheidung natürlich auch leichter gemacht.
Dann ging’s los und alles war toll. Engagierte Lehrer, für die immer das Wohl der Kinder im Vordergrund steht, in einer für die Kinder ausgerichteten Umgebung. Genau das haben wir uns für unsere Kinder gewünscht. Die Gemeinschaft in der Mondklasse war sehr gut, sowohl bei den Kindern als auch bei den Eltern. Unserer Tochter hat es super gefallen und wir haben uns auch wohlgefühlt. Wir haben viele interessante Menschen kennengelernt. Dabei haben wir insgeheim die Eltern in zwei Kategorien eingeteilt: die Fundis und die Realos. Erstere waren von allem was Montessori hieß ohne Bedenken begeistert. Die Anderen waren verhaltener und haben bei allen Vorschlägen die Machbarkeit in der Praxis hinterfragt (oder in Frage gestellt).
Wie man weiß, kommt es überall auf eine gute Mischung an. Die hatten wir und weil sich alle gegenseitig respektiert haben, hat das Zusammenspiel hier sehr gut funktioniert.
Apropos Respektieren: Ich habe es selten erlebt, dass jemand sich herablassend über unsere Entscheidung für die Monti geäußert hat. Viel öfter musste ich da über überhebliche Aussagen von Monti-Eltern gegenüber dem „Monster“ Regelschule ärgern.
Natürlich gab es auch Zeiten des Zweifels. In der dritten Klasse sollten die Kinder langsam mal das Einmaleins lernen. Unpädagogisch wie ich bin, habe ich z.B. bei Autofahrten versucht mit meiner Tochter zu üben. Sie hatte aber so wenig Interesse daran, dass ich es irgendwann aufgab. Und siehe da, einige Wochen später konnte sie es ohne mein Zutun. Dann kam die 4.Klasse und die Angst, dass man den Weg auf eine weiterführende Schule verbummelt.
Davor hat allerdings alle eine anderes Thema beschäftigt, an dem sich die Geister schieden: Die Altermischung! Die Schulleitung wollte sie so schnell wie möglich durchdrücken und wollte am liebsten keine Fragen dazu hören. Viele Eltern, denen ja mal gesagt wurde, sie dürfen an der Montessorischule mitreden, hat das ziemlich verstört. Und gerade viele der eifrigsten Werber für die Schule, wandten sich plötzlich ab. Wir waren auch reichlich irritiert und haben viel darüber gesprochen. Wir haben dann aber versucht die Gefühle beiseite zu lassen und uns sachlich zu informieren und zu entscheiden. Es gab viele gute Argumente dafür und im Nachhinein bin ich wirklich ein Fan der Altermischung.
Monti-Vater zu sein war auf jeden Fall eine Lebenserfahrung, die ich nicht missen möchte. Meine Kinder gehen immer noch gern zur Schule und machen ihr Ding ziemlich selbständig. Ja, man kann sagen: „De feit immer no nix!“ Ob wegen oder trotz Monti soll sich jeder selbst überlegen.